| Wer
war Maria Montessori?
Maria
Montessori wurde am 31.08.1870 in Chiaravalle bei Ancona
(Italien) geboren. Italien war zu diesem Zeitpunkt von Gegensätzen
zwischen Arm und Reich, wenigen Machthabern und vielen Armen geprägt.
Kinder mussten frühzeitig zum Familienerhalt beitragen, regelmäßiger
Schulbesuch war Luxus.
Maria Montessori wurde in eine gutbürgerliche Familie geboren
und konnte also 1875 die öffentliche Volksschule besuchen.
Das bedeutete: bewegungslos in der Bank sitzen und auswendig gelernte
Lektionen wiedergeben. Nach wenigen Jahren zeigte sie Interesse
an Mathematik und Naturwissenschaften und trat - für Mädchen
damals unüblich - statt in ein Gymnasium in eine technisch,
naturwissenschaftliche Schule ein.
Sie schockierte ihre Eltern mit dem Wunsch Medizin zu studieren.
1890 gab es in ganz Italien keine Ärztin. Gegen den Willen
ihres Vaters meldete sie sich an, wurde aber abgewiesen. Maria
Montessori begann Mathematik, Physik und Naturwissenschaften zu
studieren und hatte nach Ablegung der Prüfungen die Berechtigung
für ein Medizinstudium erlangt. Bis heute ist nicht geklärt,
wie sie die zuständigen Stellen überzeugen konnte: Sie
begann 1892 als erste Frau Italiens mit dem Medizinstudium.
Von heute unvorstellbaren Schwierigkeiten sei nur eine erwähnt:
Sie musste alleine und des Nachts sezieren. Mit ihrer unbeugsamen
Willenskraft schaffte sie auch dies; in den letzten beiden Jahren
arbeitete sie bereits als Assistentin im Krankenhaus. Sie begann
sich mit Kinderheilkunde und Psychiatrie zu beschäftigen.
1896 schloß sie ihr Studium mit großem Erfolg ab;
alle Zeitungen berichteten über die erste Ärzting Italiens.
Im selben Jahr trat sie auf dem Berliner Frauenkongress auf und
begeisterte mit ihren Reden.
Nach Arbeiten an der Universitätsklinik und in der eigenen
Praxis meldete sie sich für eine Assistentenstelle an der
Psychiatrischen Klinik, wo sie ein Schlüsselerlebnis mit
schwachsinnigen Kindern hatte: Diese spielten - in Ermangelung
irgendeines anderen Spielzeuges, weil die Zimmer eher Zellen glichen
und völlig kahl waren - intensiv und konzentriert mit Essensbrösel.
Sie stieß auf die Werke von J.G.Itard und E.Seguin, die
beide davon überzeugt waren, behinderte Kinder besonders
anregen zu müssen. Maria Montessori war - nach eingehender
Beschäftigung mit behinderten Kindern - der Überzeugung:
"Das Problem dieser Kinder ist in erster Linie ein
pädagogisches, nicht ein medizinisches"
1899 wurde Maria Montessori Dozentin an der Lehrerbildungsanstalt
und Direktorin eines Institutes zur Ausbildung behinderter Kinder.
In der dort angeschlossenen Modellschule setzte sie die Materialien
von Itard und Seguin und später auch ihre eigenen Materialien
ein. Ihre Erfolge - die Kinder konnten nach 2 Jahren bereits die
Regelschule besuchen - erregten größte Aufmerksamkeit.
Maria Montessori begann sich aber zu fragen, was am "normalen"
Schulsystem so falsch sein könne, daß geistig gesunde
Kinder derartig schwache Leistungen erbrachten.
Sie verließ das Institut und begann neuerlich Anthropologie
und Psychologie zu studieren, wohl auch wegen Dr. Giuseppe Montessano.
Maria Montessori wurde schwanger. Dr. Montessano verließ
sie, und da ein uneheliches Kind damals das Ende ihrer Arbeit
bedeutete, brachte sie es heimlich zur Welt und ließ es
bei einer Pflegefamilie am Land aufwachsen. Umso mehr widmete
sie sich der Erziehung von Kindern.
Die einsetzende Landflucht führte 1906 zum sozialen Wohnbau.
Um die Miete sicherzustellen wurden diese Wohnungen an Familien
vermietet, in denen beide Elternteile berufstätig waren. Dies
wiederum führte zur völligen Verwahrlosung der Kinder.
Um die Beschädigungen gering zu halten, trat man an Maria Montessori
heran, bei der Suche nach einer Betreuung behilflich zu sein. Sie
sah eine Möglichkeit, ihre Arbeiten mit gesunden Kindern erproben
zu können und nahm - sehr zur Verblüffung aller - die
Stelle selbst an. Am 6.Januar 1907 eröffnete sie ihr Casa
dei Bambini in San Lorenzo.
Das Kinderhaus war bald berühmt und die Leute kamen um das
Wunder zu sehen: Verwahrloste, vernachlässigte und verschreckte
Kinder begannen, selbständig mit Material zu arbeiten. Mit
einer Hingabe und einer Konzentration, die niemand für möglich
hielt.
Weitere Kinderhäuser wurden eröffnet: Rom, Mailand.
Nicht nur Armenviertel, auch Mittel- und Oberschichten. Woher
immer die Kinder auch kamen: Sie begannen nach kurzer Zeit, mit
dem Material zu arbeiten und den Prozess der "Normalisierung"
(Montessori) durchzumachen.
1909 veranlasste das riesige Interesse Maria Montessori zum ersten
Ausbildungskurs für Lehrer und Interessierte. Ihr Buch "Il
metodo della pedagogica scientifica" erschien im gleichen
Jahr.
Maria Montessori beschloß im Alter von vierzig Jahren, sich
ausschließlich diesen Vorträgen zu widmen und gab Praxis
und Dozentur auf. Von da an war sie sehr viel auf Reisen um alle
Kurse und Fortbildungen selber zu halten. Ihr Vertrauen in Kinder,
ihren eigenen Weg zu finden, konnte sie auf Erwachsene nicht ausdehnen.
Sie hatte Angst, nicht richtig verstanden zu werden und erlaubte
niemandem, Kurse zu halten.
1911 gab es bereits in Italien, Schweiz, Paris, New York, Boston
aber auch in England und Argentinien Schulen nach der Montessori
Methode.
Es folgten Reisen in die USA, die Übersiedlung nach Barcelona,
Vorträge in den Niederlanden die 1917 mit der Gründung
der niederländischen Montessori Gesellschaft gipfelten.
Zwischen 1919 und 1922 bereiste sie England und hielt Vorträge
in Amsterdam, Paris, Mailand, Rom, Neapel und Berlin.
1924 wurde nach einer Begegnung von Maria Montessori und Mussolini
die Montessori-Methode in den italienischen Schulen eingeführt.
1926 bereist Maria Montessori Südamerika.
1929 wird die AMI (Association Montessori Internationale) gegründet,
deren Sitz bis 1935 in Berlin, danach in Amsterdam ist. Im selben
Jahr findet auch der 1. internationale Montessori Kongress in Helsingor
(Dänemark) statt.
1932 2. internationaler Montessori-Kongress in Nizza.
1933 Der Nationalsozialismus zerstört die deutsche Montessori
Bewegung. 3. internationaler Montessori-Kongress in Amsterdam.
1934 Die italienischen Montessori Schulen werden nach einem Konflikt
mit den Faschisten geschlossen. 4. internationaler Montessori-Kongress
in Rom.
Der Bürgerkrieg in Spanien veranlasst Montessori 1936 Barcelona
zu verlassen und nach Amsterdam zu übersiedeln. 5. internationaler
Montessori-Kongreß in Oxford.
1937 6. internationaler Montessori-Kongress in Kopenhagen. Friedenskongress.
1938 7. internationaler Montessori-Kongress in Edinburgh.
1939 verlässt Maria Montessori Europa und zieht nach Indien.
Sie lebt bis 1946 in Adyar und verhilft der indischen Montessori
Bewegung zu einem Aufschwung.
1947 kommt es zur Neugründung der italienischen Montessori
Gesellschaft (Opera Montessori) und 40 Jahre nach Gründung
des "Casa dei Bambini" entstehen erste Pläne für
den Aufbau einer Montessori Universität in Madras.
Obwohl bereits hochbetagt folgen Reisen nach Indien (1947), Ceylon
(1948), Pakistan (1949), die Rückübersiedlung nach Europa.
1949 findet auch der 8. internationale Montessori-Kongreß
in San Remo statt.
1950 folgen Reisen nach Norwegen, Schweden. Montessori feiert
ihren 80. Geburtstag auf einer internationalen Konferenz in Amsterdam.
Sie reist nach Italien.
1951 9. internationaler Montessori-Kongress in London. Maria Montessori
reist nach Tirol und hält dort ihren letzen Ausbildungskurs
in Innsbruck.
Maria Montessori verstarb am 06.05.1952 in Nordwijk aan Zee (Niederlande)
mitten in den Überlegungen für eine Afrikareise.
"Es ist wohl wahr, dass viel getan wird, aber was
wäre denn der Fortschritt, wenn nicht das Erkennen von Dingen,
die zuvor nicht erkannt worden sind, als das beständige Verbessern
all dessen, was bereits ausreichend, ja unübertrefflich zu
sein schien?
So gibt es immer noch kein Land der Erde, in dem das Kind zur
Genüge verstanden wird"
(Maria Montessori, "Il segreto dell'infanzia" [Kinder
sind anders])
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